30 Jahre FK Moordorf
Hier findest du einige Berichte dazu


 Südbrookmerland, den 10.Juli 2010

 

                                

                         30 Jahre Freundeskreis Moordorf

                                                &

               10 Jahre eigenständige Angehörigengruppe

    Wir halten die Tür auf, für Suchtkranke und Angehörige

 

Einer von rund bundesweit 800 Freundeskreisen für Suchtkrankenhilfe ist der Freundeskreis
Moordorf. Der Name Freundeskreis kennzeichnet die Gruppe als Gemeinschaft:

 

 

„Ein Freund ist ein Mensch, der mich versteht, mich annimmt und nicht gleich bewertet!“

 

Grundprinzipien sind Ehrlichkeit, Freiwilligkeit, Betroffenheit, Gleichberechtigung
Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.

Die ersten Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe in Deutschland wurden 1956 gegründet.
Der Anstoß für die Gründung vom Freundeskreis Moordorf kam von der Diakonie.
Herr Heinrich Heger, seinerzeit verantwortlich für die Suchtberatung unter der
Trägerschaft der Kirche und der alte Landkreis Aurich waren zuständig.

 So kam es, dass unter Mitwirkung von 10 Personen am 23. Januar 1980 der

2. Freundeskreis im Landkreis Aurich in Moordorf gegründet wurde. Wie in vielen
anderen Selbsthilfegruppen auch, gab es in Moordorf auch Höhen und Tiefen. Der
richtige Aufschwung begann im Jahr 2000. Harm Bents und Jann Albers als neue
Gruppenleiter  übernahmen die Verantwortung.

Zusammen mit Grete Klaaßen und Elise Bents gründeten sie dann die eigenständige
 Angehörigengruppe.

Beide Frauen sind auch heute noch aktive Ansprechpartnerinnen.

Harm Bents sein größtes Projekt war die Ausgabe der Broschüre:

 

„Suchtkrankenhilfe und Suchtprävention im Landkreis Aurich“

Alkohol und Medikamente  -

 

Leider wurde Harm viel zu früh durch eine schwere Krankheit am 07. August 2009

aus unserer Mitte gerissen.

Durch seine Fachkenntnisse erlangte Harm eine große Wertschätzung weit über Ostfrieslands
Grenzen hinaus.

Er war mit seiner ruhigen, unnachahmlichen Art, unser Initiator und Vorbild.

Sein 1. Gebot war:

 

„ Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und Ehrlichkeit gegenüber Anderen “

 

Heute wird der Freundeskreis Moordorf für Suchtkrankenhilfe von dem ausgebildeten
ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfer Uwe Fahnster und seinem Stellvertreter Torsten Janssen geleitet.

Einzelgespräche und Hausbesuche sind möglich. Für Begleitung zu Fachkliniken oder für
Fachgespräche zur Suchtberatung stehen wir gerne zur Verfügung.

Aus diesen Anfängen ist eine funktionierende Selbsthilfe – Gruppe geworden.

Nicht nur Gemeindemitgliedern aus der Gemeinde Südbrookmerland wird Hilfe angeboten.
Unsere Mitglieder kommen aus dem ganzen Landkreis Aurich.

In der UEK – Klinik Norden findet seit dem Jahr 2000 immer am Montag Nachmittag ab 1600 Uhr
eine wöchentliche Suchtprävention auf freiwilliger Basis für suchtkranke Patienten statt.

Unter fachlicher Beratung durch Ingo Tammen ist von den Gruppenmitgliedern 2009 auch eine
eigene Homepage aufgebaut worden.

 

www.info-freundeskreis-moordorf.de

 

Wir setzen auf persönliche Beziehungen unter dem Motto:

 

„Ein Freund nimmt mich so an, wie ich bin!“

 

Jeden Freitag, auch an Feiertagen, hat der Freundeskreis Moordorf für Suchtkranke und für
Angehörige die ungeraden Wochen um 1930 Uhr seine Zusammenkunft.

Mit einer so genannten Blitzrunde wird der Gruppenabend eröffnet. Der Reihe nach kommt
jedes Gruppenmitglied zu Wort und erzählt mit kurzen Worten, seine Erlebnisse von der
Vorwoche über Freude, Sorgen, Kummer und Nöte. Für uns im Freundeskreis ist es grundsätzlich
kein Müll, was ein Gruppenmitglied erzählt. Was ich heute von den Aussagen vielleicht nicht
gebrauchen kann, gebrauche ich evtl. Morgen, Übermorgen, nächste Woche, Monat oder Jahr.
Zu vergleichen ist es wie mit dem Konfekt. Wir picken uns erst die Rosinen heraus, die wir
mögen. Es kommt der Tag, da wird auch die letzte Rosine genommen.

Wichtig ist allein die persönliche zufriedene Abstinenz. Der Weg dorthin liegt bei dem Suchtkranken
 in seinen eigenen Händen.

Im Freundeskreis Moordorf ist Verschwiegenheit oberstes Gebot und doch nimmt jeder mit, was
für ihn wichtig ist. Was dies im Einzelnen ist, entscheidet er selbst.

Die Freundeskreismitglieder kennen den oft sehr schweren Weg zu Abstinenz aus eigener
Erfahrung. Sie haben die inneren Kämpfe, Angstzustände und Hoffnungen selbst erlebt. In den
 Gruppenabenden wird darüber offen gesprochen. Suchtkranke die abstinent leben wollen, werden
bei der Entscheidungsfindung begleitet.

Ein noch nicht Abstinenter hat jedoch auch eine große Wirkung auf die Gruppe, die bereits abstinent
lebt. Kommt ein neuer Suchtkranker, werden die Gruppenmitglieder an ihr altes Suchtverhalten
erinnert. Die Entscheidung zur Abstinenz ist dadurch immer in Erinnerung und wird weiter gefestigt.
Keiner von uns möchte was einmal gewesen ist noch einmal mitmachen.

Auch Rückfälle gehören zum Krankheitsbild des Alkoholismus. In der Öffentlichkeit wird der
Rückfall überwiegend als Ausdruck von Willenschwäche, Alkoholverlangen oder Uneinsichtigkeit
gesehen. Im Freundeskreis Moordorf wird daher oft über das Thema Rückfall gesprochen. Die
Abhängigen können offen über ihre Ängste und Wünsche sprechen. Der Freundeskreis unterstützt
betroffene Suchtkranke und Angehörige, die Suchtkrankheit und deren gesundheitliche Folgen zu
überwinden. Ziel ist es in kleinen Schritten den notwendigen Sinn im Leben zu finden, über Gefühle
zu sprechen und andere Lösungen zu finden, ohne Suchtmittel zu nehmen.

Noch ein schwerwiegender Punkt im Freundeskreis ist die Ehe oder Partnerschaft. Für eine gute
Partnerschaft ist es nötig, dass beide Partner gleichberechtigt in wichtigen Fragen eine gemeinsame
Lösung finden.

 

„Der Suchtkranke hat sein Suchtmittel – der Angehörige hat den Suchtkranken“

 

Mit diesem Thema befasst sich unsere Angehörigengruppe. Angehörige haben oft über Jahre eigene
Bedürfnisse verdrängt und sich bis zur Erschöpfung mit dem Suchtkranken beschäftigt. Bei betroffenen
Angehörigen dreht sich das ganze Denken, Handeln und Fühlen nur noch um die Sucht.

Wie kann ich helfen – was muss ich tun, damit kein Alkohol mehr getrunken wird –  wie kann ich
verhindern, dass die Umgebung etwas merkt – was habe ich falsch gemacht? Das alles wird als
„Co – Abhängigkeit“ bezeichnet. Co – Abhängige unterstützen ihre Familie bis zur Selbstaufgabe.

Am Ende haben sich die Angehörigen oft völlig vom Verhalten des Suchtkranken abhängig gemacht
und brauchen fachliche Hilfe.

Wir bieten diese Hilfe für Angehörige an. Wenn das Trinken von Familienangehörigen zum Problem
wird, muss man sich nicht schämen, sondern etwas dagegen tun.

 

„Wer glaubt, mit Alkohol Probleme lösen zu können, der hat bereits Probleme mit dem Alkohol“

 

Wir wollen durch unsere ehrenamtliche Tätigkeit das Bild vom unheilbaren Abhängigen aus den Köpfen
vieler Menschen verdrängen und zeigen, dass jeder Suchtkranke ein Mensch ist und es verdient, auch als
 solcher behandelt zu werden.

Darum wird in den Gruppenabenden der Angehörigen über Probleme gesprochen wie z.B. was ist
Abhängigkeit und was ist Co - Abhängigkeit – habe ich das Recht, so zu sein wie ich bin – wie steht
es um mein Selbstwertgefühl – wie baue ich Schuldgefühle ab.

Auch die Kinder sind in die neuen Verhaltensweisen einzubeziehen. Eventuell muss für die Kinder
entsprechende professionelle Hilfe gesucht werden.

Kinder bekommen das Problem – Alkohol schon im frühen Kindesalter mit.

Der Suchtkranke wird gehasst und vom anderen Elternteil fühlen sie sich verlassen.

Die Kinder sind das schwächste Glied im Familiensystem. Sie entwickeln sich anfällig für
andere psychische Krankheiten wie Ängste, Depressionen, Essstörungen Hyperaktivitäten und
Anpassungsstörungen.

Dennoch lieben Kinder in Suchtfamilien ihre Eltern und versuchen sie zu schützen.

In die vom Freundeskreis Moordorf organisierten Freizeitangebote, wie z.B. Bosseln,
Kegeln, Fahrradtour, Kohlessen, Grilltag und Weihnachtsfeier werden die Kinder mit eingebunden.
Dadurch werden sie gestärkt und bekommen wieder Halt.

Gut, dass es Freundeskreise und andere Selbsthilfegruppen für Suchtkranke gibt.

 

 

                    Uwe Fahnster

Ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer

          Freundeskreis Moordorf



Moordorf

12.07.2010

Eine lebensrettende Gesprächsrunde

Von Von Bernd-V. Brahms

Die Selbsthilfegruppe Freundeskreis Moordorf feiert das 30-jährige Bestehen.
Menschen mit Suchtproblemen unterstützen sich gegenseitig. Rund 130
Mitglieder und Gäste kamen am Sonnabend zur Jubiläumsveranstaltung in
die Mensa der Haupt- und Realschule.

Moordorf - Welch wichtige Arbeit der Freundeskreis Moordorf für Suchtkrankenhilfe leistet,
brachte der Moordorfer Pastor Karsten Henkmann am Sonnabend bei einer Feierstunde
zum 30-jährigen Bestehen der Selbsthilfegruppe auf den Punkt. "Ich bin schon manches
Mal dagewesen, wenn alles zu spät war", sagte Henkmann. Bei Beerdigungen habe er es
erlebt, dass gesagt wurde: "Eigentlich war er ein ganz netter Kerl. Allerdings hat er gerne
 auch mal einen zu viel getrunken." Zahlreiche Menschen würden ihrem qualvollen Leben
ein Ende setzen oder auch an den Folgen des Alkoholismus sterben, ohne dass ihnen
zuvor geholfen worden war, so Henkmann.

Mehrere Redner in der neuen Mensa der Haupt- und Realschule Moordorf wiesen bei der
Feierstunde darauf hin, dass der Freundeskreis ihnen das Leben gerettet habe. Zahlreiche
abstinente Alkoholiker feiern daher auch zwei Geburtstage, den einen richtigen und den Tag,
an dem sie vom Alkohol weggekommen sind.

Rund 130 Menschen kamen zum 30-jährigen Bestehen

Für die Freundeskreismitglieder sei allein wichtig, dass jeder einzelne "zufrieden abstinent"
leben könne, sagte Uwe Fahnster, der zusammen mit Torsten Janssen die Moordorfer Gruppe
mit rund 40 Mitgliedern leitet. Sie treffen sich freitags jeweils in den ungeraden Wochen
im Gemeindehaus der Moordorfer Kirche. "Ganz regelmäßig, auch an Feiertagen", sagte
Uwe Fahnster. Seit zehn Jahren gibt es darüber hinaus auch eine eigenständige
Angehörigengruppe. "Die Angehörigen machen sich oft völlig abhängig vom Verhalten
der Suchtkranken und gehen dabei bis zur Selbstaufgabe, in dem Wunsch helfen zu können",
 so Uwe Fahnster. Allerdings bräuchten auch sie selbst Hilfe. Angehörigengruppe wird geleitet
von Grete Klaaßen und Elise Bents.

Heinrich Hillen, Suchtberater bei der Diakonie in Aurich, lobte die gute Zusammenarbeit mit
der Gruppe. "Es wird immer wieder auf die verschiedenen Hilfemöglichkeiten hingewiesen",
so Hillen. Es sei bemerkenswert, dass die Gruppe derart aktiv auch die Angehörigen mit
einbeziehe. "Bei den Freizeitaktivitäten gehören auch ganz selbstverständlich die Kinder
dazu", so Hillen. Neben den Gruppenmitgliedern des Moordorfer Freundeskreises waren auch
Gäste von anderen Selbsthilfegruppen aus dem Landkreis Aurich zur Feierstunde in der
Moordorfer Schule gekommen. Rund 130 Menschen hatten sich versammelt.

(Quelle: Ostfriesen-Zeitung vom 12.07.2010)