Bericht einer betroffenen Mutter

                          Bericht einer betroffenen Mutter,
           die durch eine Gruppe der Suchthilfe neuen Mut fand.


Die Vorgeschichte ist lang und wenig erquicklich also beginne ich die Geschichte einfach so:
Alle haben wir manchmal mit Sucht zu tun. Zum Teil im privaten Bereich: Bekannte,
Verwandte, Arbeitskollegen etc. zum Teil beruflich: Gäste in unserem Gästehaus
gehören zu den verschiedensten Gruppen. Suchthilfe, Blaues Kreuz, Menschen mit
Beeinträchtigungen; Betrunken randalierende Jugendliche belästigen unsere Gäste,
zerstören gut gemeinte Dekoration auf dem Gelände oder die Strandkörbe am Wasser etc.. Alltag.

 

Nun habe ich das Problem im allernächsten Umfeld, im Haus, in gerader Blutlinie. Ein Kind,
das altersmäßig kein Kind mehr ist, wurde heimlich, still und leise (obwohl- so leise war
es eigentlich gar nicht) zum Alkoholiker. Keine Kontrolle über die Flasche war mehr möglich.
Chaos und Frustration war wie ein Stein, der ins Wasser fällt und sich wie weitende Wellen
über unsere kleine Familie zog. Ich wohne mit meinen beiden Söhnen alleine in unserem
Haus und arbeite halbtags. Sowieso schon überfordert mit den üblichen Herausforderungen
des Tages, war die Ankunft der Sucht in unserem Haus ein Alptraum. Verzweiflung und
Zukunftsängste lähmten eine Zeit lang. Die ersten Auffälligkeiten wurden mit allen mir zur
Verfügung stehenden Mitteln beantwortet. Nichts half. Schließlich war Verdrängen nicht mehr
angesagt. Gespräche mit Schwester und Freundinnen halfen zunächst wieder Luft zu bekommen.
Mit der Thematik „Sucht“ konnte natürlich nicht jeder etwas anfangen. Über einen Umweg bin
ich dann bei einer Gruppe der Suchthilfe gelandet. Meine ersten Besuche dort kamen einem
gegenseitigen „Beschnuppern“ gleich. Dann folgte eine sehr fruchtbare Zeit. Wöchentlich kam
das Thema nun auf den Tisch- immer wieder neu beleuchtet. Endlich konnte ich wieder Hoffnung
finden und verstand auch viele Situationen nun besser. Ein Umgang mit der Sucht wurde mir möglich.
Hilflosigkeit bestimmte nicht mehr den Tag. Ein offenes Ohr, geteilte Furcht, eine Notfallnummer-
diese Gruppe nennt sich nicht nur Leuchtfeuer, sie hat wirklich etwas von einem Leuchtturm.

Schnitt!

Beruflich arbeite ich in einem Büro und habe viel mit Menschen zu tun. Wir bewirtschaften,
außer anderen Aufgaben, eine Herberge und ein Veranstaltungshaus. In diesem Veranstaltungshaus
finden Theatervorstellungen, Konzerte etc. statt. Wir hatten es uns zur Aufgabe gesetzt, mehr
„Pepp in den Laden zu bringen“. Meine Idee dazu, in Veranstaltungspausen alkoholfreie Getränke,
nett serviert, anzubieten und für die Suchthilfe damit zu werben, gefiel dem Chef sofort.

Es folgten Gespräche mit der Wirtin des anliegenden Lokals. Auch die Wirtin war von dem Vorschlag
begeistert und bot sofort an 50 Cent pro Getränk für die Suchthilfe zu spenden. Weitere Unterstützung
fand ich im Team des Gästehauses. Also fingen wir mit 4 Frauen an eine Saft-Theke mit Apfel-,
Orangen-, Kirsch- und Bananensaft, einer soften Sangria und einem Heißgetränk mit Kirschen eine
„bleifreie Theke“ anzubieten. Wir trugen Button mit Logo der Suchthilfe und Info-Material lag
ebenso parat. Jeder Gast konnte beim Einlass schon ein Schlückchen unseres Kirschpunsches
kostenlos probieren. „Dürfen wir Ihnen diese alkoholfreie Alternative zum Glühwein anbieten? Kirschpunsch
nur mit Säften- probieren sie nur!“  Kleine selbst gefertigte Plakate wiesen auf unsere Aktion hin und
wurden an den Ausgängen und bei der Tür zu den sanitären Anlagen angebracht. In der Pause
brummte der Laden und wir hatten alle Hände voll zu tun. Natürlich machte die gute Annahme der
Aktion großen Spaß, nur die Füße waren am Tag darauf irgendwie platter als sonst…

Inzwischen haben wir bei weiteren Veranstaltungen ein solches Angebot durchgeführt. Einige Dinge,
wie z.B. hübschere Gläser etc. möchten wir noch verändern. Es soll Spaß machen, bei uns einen Saft
zu bestellen- da ist ein schönes Glas auch wichtig. Es geht uns nicht darum, möglichst viel Geld
einzunehmen. Priorität hat es aufzuzeigen, dass es auch leckere alkoholfreie Getränke gibt, die hübsch
serviert, auch ein Wohlfühl-Gefühl vermitteln können.Â